Gefahr: Hausnotar – Risiken beim Kauf vom Bauträger minimieren

Prof. Dr. jur. Dr. phil. Herbert Grziwotz, Honorarprofessor an der Universität Regensburg, erfahrener Notar und Autor zahlreicher Fachpublikationen zum Bauträgerrecht, schrieb:

Notare sind vor allem dazu da, den Verbraucher zu schützen. Allerdings ist die Erfüllung dieser Amtspflicht nicht gut fürs Geschäft. Dieses bringen nämlich die Bauträger und ihre Makler, nicht die Verbraucher, die einmal in ihrem Leben eine Eigentumswohnung kaufen.

Derjenige Notar, der allzu gründlich auf die Einhaltung der Überlegungsfrist für den Käufer achtet und die Anforderungen der Rechtsprechung hinsichtlich des Käuferschutzes beim Bauträgervertrag in der Urkunde umsetzt, hat keine Chance, Hausnotar eines Bauträgers zu werden. Auch die Bauträgerbank schickt, selbst wenn sie auch den Erwerber finanziert, Käufer zu weniger gründlichen Notaren. Professionelle Vertriebsorganisationen haben ohnehin Listen von Notaren, die problemlos das ihnen Vorgelegte vorlesen. Vorlesen allein genügt aber noch nicht. Der Notar muss über kritische Punkte möglichst schnell „drüber lesen“.

Das ist die mehr als deutliche Warnung eines qualifizierten Insiders vor den Hausnotaren der Bauträger. Diese Warnung stammt zwar aus dem Jahre 2011. Sie ist aber auch heute noch höchst aktuell. Das wird nicht nur bei meinen Prüfungen der Bauträgerverträge von Notaren aus den verschiedenen Bundesländern deutlich. Auch die ständigen Mahnungen der Verbraucherschützer und die aktuellen Gerichtsentscheidungen zu Klauseln in Bauträgerverträgen, die mit dem Schutz der Käufer und Verbraucher unvereinbar sind, sprechen eine deutliche Sprache. Wenn Sie also den Kauf einer Immobilie vom Bauträger erwägen, sollten Sie den Ihnen vom Bauträger und dessen Hausnotar überlassenen Bauträgervertrag sorgfältig daraufhin überprüfen, ob die gesetzlich zwingend vorgeschriebenen Verbraucherschutzbestimmungen gewahrt und die Mindestbedingungen für den Schutz beim Kauf vom Bauträger erfüllt sind. Die Beurkundung des Vertrages durch den Hausnotar des Bauträgers allein bietet jedenfalls keine Gewähr für hinreichenden Verbraucherschutz.

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