Wert­min­de­rung bei Män­geln der Bepflan­zung

Stich­wor­te
Anpflan­zun­gen, Zer­stö­rung, Beschä­di­gung, Wert­min­de­rung, Scha­dens­er­satz

Bun­des­ge­richts­hof
Urteil vom 25.01.2013 – V ZR 222/12
Lang­fas­sung

Leit­satz

Auch wenn ein Gehölz oder ein Baum nicht zer­stört, son­dern nur beschä­digt wird (hier: Thu­jen­ab­pflan­zung), kann die dadurch ent­stan­de­ne Wert­min­de­rung des Grund­stücks im Grund­satz nach der "Metho­de Koch" berech­net wer­den. Die Vor­schrif­ten der Immo­bi­li­en­wert­ermitt­lungs­ver­ord­nung vom 19. Mai 2010 ste­hen dem nicht ent­ge­gen.

Tenor

Die Revi­si­on gegen das Urteil der 5. Zivil­kam­mer des Land­ge­richts Traun­stein vom 25. April 2012 wird auf Kos­ten des Beklag­ten zurück­ge­wie­sen.

Von Rechts wegen

Tat­be­stand

Die Par­tei­en sind Eigen­tü­mer angren­zen­der Grund­stü­cke. Ent­lang der Gren­ze befin­det sich auf dem Grund­stück des Klä­gers auf einer Län­ge von 15 m eine über 7 m hohe Thu­jen­ab­pflan­zung. An den Bäu­men nahm der Beklag­te ohne Ein­wil­li­gung des Klä­gers Stämm­lings- und Ast­kap­pun­gen vor, die nicht fach­ge­recht aus­ge­führt wur­den. Infol­ge­des­sen sind die Thu­jen dau­er­haft ver­stüm­melt und in ihrer Vita­li­tät beein­träch­tigt; der opti­sche Ein­druck des klä­ge­ri­schen Grund­stücks ist nicht uner­heb­lich beein­träch­tigt.

Mit der Kla­ge hat der Klä­ger Scha­dens­er­satz in Höhe von 3.971,87 € (net­to) ver­langt. Davon ent­fal­len 621,77 € auf die Kos­ten der Sofort- und Nach­be­hand­lung durch einen Gärt­ner und 3.350,10 € auf die blei­ben­de Wert­min­de­rung der Abpflan­zung. Dar­über hin­aus hat der Klä­ger — soweit von Inter­es­se — Ersatz vor­ge­richt­li­cher Anwalts­kos­ten in Höhe von 402,82 € ver­langt. Im Hin­blick auf die­se Anträ­ge hat die Kla­ge in den Tat­sa­chen­in­stan­zen vol­len Umfangs Erfolg gehabt. Mit der von dem Beru­fungs­ge­richt zuge­las­se­nen Revi­si­on wen­det sich der Beklag­te nur noch gegen sei­ne Ver­ur­tei­lung zur Zah­lung von Scha­dens­er­satz auf­grund der Wert­min­de­rung und der dar­auf bezo­ge­nen vor­ge­richt­li­chen Anwalts­kos­ten.

Ent­schei­dungs­grün­de

I.
Sach­ver­stän­dig bera­ten setzt das Beru­fungs­ge­richt den gemäß § 823 Abs. 1 BGB zu erset­zen­den Betrag je nach Aus­maß der Schä­den teils auf 50 %, teils auf 10 % des Zeit­werts der Bäu­me fest. Maß­geb­lich für die Berech­nung des Scha­dens sei die Wert­min­de­rung des Grund­stücks. Aller­dings kom­me es nicht dar­auf an, ob sich die Abpflan­zung als sol­che wert­er­hö­hend aus­wir­ke. Viel­mehr habe ein Wert­ver­gleich des Grund­stücks einer­seits mit ver­stüm­mel­ter und ande­rer­seits mit intak­ter Thu­jen­ab­pflan­zung zu erfol­gen. Die danach ent­ste­hen­de Wert­min­de­rung sei eben­so wie bei einem Total­ver­lust von Gehöl­zen nach der "Metho­de Koch" zu ermit­teln.

II.
Die­se Aus­füh­run­gen hal­ten recht­li­cher Nach­prü­fung stand.

1. Der Aus­gangs­punkt des Beru­fungs­ge­richts, wonach die Thu­jen­ab­pflan­zung wesent­li­cher Bestand­teil des Grund­stücks und des­sen Wert­min­de­rung maß­geb­lich für den ent­ste­hen­den Scha­den ist, steht im Ein­klang mit der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs (vgl. Senat, Urteil vom 27. Janu­ar 2006 — V ZR 46/05, NJW 2006, 1424 ff.; BGH, Urteil vom 13. Mai 1975 — VI ZR 85/74, NJW 1975, 2061). Grund­sätz­lich ist bei der Beschä­di­gung einer Sache — hier des Grund­stücks — Scha­dens­er­satz durch Wie­der­her­stel­lung (§ 249 Abs. 1 BGB) oder durch Ersatz des hier­zu erfor­der­li­chen Geld­be­trags (§ 249 Abs. 2 Satz 1 BGB) zu leis­ten. Eine denk­ba­re Ersatz­be­schaf­fung der Thu­jen ist aller­dings gemäß § 251 Abs. 2 Satz 1 BGB aus­ge­schlos­sen, weil sie mit unver­hält­nis­mä­ßi­gen Kos­ten ver­bun­den wäre (vgl. BGH, Urteil vom 13. Mai 1975 — VI ZR 85/74, NJW 1975, 2061). Dem hat der Klä­ger Rech­nung getra­gen, indem er sein Begeh­ren auf die Kos­ten der Sofort- und Nach­be­hand­lung durch einen Gärt­ner und den Ersatz der Wert­min­de­rung gemäß § 251 Abs. 2 Satz 1 BGB beschränkt hat. Die letz­te­re Scha­dens­po­si­ti­on ist allei­ni­ger Gegen­stand des Revi­si­ons­ver­fah­rens.

2. Die Ermitt­lung und Schät­zung des Min­der­werts steht gemäß § 287 Abs. 1 ZPO im frei­en Ermes­sen des Tatrich­ters. Die revi­si­ons­recht­li­che Nach­prü­fung ist dar­auf beschränkt, ob der Tatrich­ter Rechts­grund­sät­ze der Scha­dens­be­mes­sung ver­kannt, wesent­li­che Bemes­sungs­fak­to­ren außer Betracht gelas­sen oder sei­ner Schät­zung unrich­ti­ge Maß­stä­be zugrun­de gelegt hat (st. Rspr., vgl. BGH, Urteil vom 22. Mai 2012 — VI ZR 157/11, NJW 2012, 2024 Rn. 23 mwN). Sol­che Feh­ler sind dem Beru­fungs­ge­richt nicht unter­lau­fen.

a) Die Ent­fer­nung oder Zer­stö­rung von Gehöl­zen kann auch dann zu einer Wert­min­de­rung des Grund­stücks füh­ren, wenn sich des­sen Ver­kaufs­wert hier­durch nicht ver­än­dert hat (Senat, Urteil vom 27. Janu­ar 2006 — V ZR 46/05, aaO, Rn. 16). Die Wert­min­de­rung kann nach der stän­di­gen höchst­rich­ter­li­chen Recht­spre­chung anhand der soge­nann­ten "Metho­de Koch" berech­net wer­den (Senat, Urtei­le vom 27. Janu­ar 2006 — V ZR 46/05, NJW 2006, 1424 Rn. 16 und vom 15. Okto­ber 1999 — V ZR 77/99, BGHZ 143, 1, 9; BGH, Beschluss vom 7. März 1989 — VI ZR 147/88, NuR 1991, 94 f.; Urteil vom 13. Mai 1975 — VI ZR 85/74, NJW 1975, 2061, 2062 f.). Bei die­ser Wert­ermitt­lungs­me­tho­de han­delt es sich um ein modi­fi­zier­tes Sach­wert­ver­fah­ren. Der Wert­ver­lust wird bestimmt, indem die für die Her­stel­lung des geschä­dig­ten Gehöl­zes bis zu sei­ner Funk­ti­ons­er­fül­lung erfor­der­li­chen Anschaf­fungs-, Pflan­zungs- und Pfle­ge­kos­ten sowie das Anwachs­ri­si­ko berech­net und kapi­ta­li­siert wer­den; der danach errech­ne­te Wert wird gege­be­nen­falls mit Blick auf eine Alters­wert­min­de­rung, Vor­schä­den und sons­ti­ge wert­be­ein­flus­sen­de Umstän­de berei­nigt (näher Koch, Aktua­li­sier­te Gehölzwert­ta­bel­len, 3. Aufl. 2001, 19 ff., 25 ff.; Bre­lo­er, Der Sach­ver­stän­di­ge 2005, 217 f.). Wie bei der Teil­schä­di­gung von Gehöl­zen im Grund­satz zu ver­fah­ren ist und ob die "Metho­de Koch" auch inso­weit zur Scha­dens­be­rech­nung geeig­net ist, hat der Senat bis­lang offen gelas­sen (Urteil vom 27. Janu­ar 2006 — V ZR 46/05, NJW 2006, 1424 Rn. 16).

b) In Recht­spre­chung und Lite­ra­tur wird die Fra­ge unein­heit­lich beant­wor­tet.

aa) Teils wird eine über den Ersatz der Teil­wie­der­her­stel­lungs­kos­ten hin­aus­ge­hen­de Wert­min­de­rung in der Regel ver­neint. Die "Metho­de Koch" füh­re zu unan­ge­mes­se­nen For­de­run­gen, die mit der tat­säch­li­chen Wert­schät­zung einer Grund­stücks­be­pflan­zung offen­sicht­lich unver­ein­bar sei­en (OLG Düs­sel­dorf, Urteil vom 5. August 2009 — 15 U 100/08, juris Rn. 43, 50; Palandt/Grüneberg, BGB, 72. Aufl., § 251 Rn. 12; Staudinger/Schiemann, BGB [2005], § 251 Rn. 92; wohl auch Geigel/Knerr, Der Haft­pflicht­pro­zess, 26. Aufl. Rn. 3.127; für eine wild­wach­sen­de Ufer­be­grü­nung: OLG Mün­chen, VersR 1995, 843 f.). An einem mess­ba­ren Wert­ver­lust des Grund­stücks feh­le es jeden­falls dann, wenn Pflan­zen ohne blei­ben­de Schä­den unbe­fugt beschnit­ten wür­den (OLG Köln, NZM 2000, 108 f.). Das gel­te im Regel­fall auch bei blei­ben­den Teil­schä­di­gun­gen von Gehöl­zen. Die "Metho­de Koch" sei auf den Total­ver­lust bezo­gen; bei einer Teil­schä­di­gung spie­gel­ten ins­be­son­de­re die ein­ge­rech­ne­ten Pfle­ge­kos­ten für das Auf­wach­sen eines jun­gen Baums den Wert­ver­lust des Grund­stücks nicht ange­mes­sen wider (LG Bie­le­feld, NJW-RR 1992, 26, 27). Die Wert­min­de­rung kön­ne nur ein Sach­ver­stän­di­ger für Grund­stücks­be­wer­tung, nicht aber ein Gehölz­sach­ver­stän­di­ger beur­tei­len (Palandt/Grüneberg, aaO, § 251 Rn. 12).

bb) Nach ande­rer Auf­fas­sung, der sich das Beru­fungs­ge­richt ange­schlos­sen hat, ist die "Metho­de Koch" auch in Fäl­len der Teil­schä­di­gung geeig­net, um den Min­der­wert zu errech­nen (OLG Düs­sel­dorf, NVwZ-RR 1992, 216, 217; LG Dort­mund, AUR 2010, 171 f.; LG Neu­bran­den­burg, Scha­den-Pra­xis 2001, 205 f.; LG Osna­brück, AgrarR 1998, 417; LG Kiel, ZfIR 1998, 733 734 f.; Erman/I. Ebert, BGB, 13. Aufl., § 249 Rn. 22). Bei dem unbe­fug­ten Beschnei­den von Pflan­zen sei eine ange­mes­se­ne Wert­min­de­rung für die Zeit bis zu dem Nach­wach­sen zu berech­nen (KG, NJW-RR 2000, 160, 161).

c) Der Senat hält die zuletzt genann­te Ansicht für rich­tig.

aa) Aus­zu­ge­hen ist davon, dass die infol­ge der Schä­di­gung erhöh­ten Pfle­ge- und Unter­hal­tungs­kos­ten eben­so wie die Kos­ten einer erfor­der­li­chen Neu­an­pflan­zung im Wege der Natu­ral­re­sti­tu­ti­on (§ 249 Abs. 2 Satz 1 BGB) zu erset­zen sind. Das gilt auch dann, wenn sol­che Kos­ten erst in der Zukunft ent­ste­hen; der Geschä­dig­te kann in die­sem Fall nur die Ersatz­pflicht fest­stel­len las­sen. Ledig­lich eine über die­se Scha­dens­po­si­tio­nen hin­aus­ge­hen­de, durch die Teil­wie­der­her­stel­lung nicht kom­pen­sier­te Schä­di­gung des Grund­stücks kann eine Wert­min­de­rung dar­stel­len. Dies folgt aus § 251 Abs. 1 BGB, wenn ein ver­gleich­ba­rer Ersatz nicht zu beschaf­fen ist, und aus § 251 Abs. 2 Satz 1 BGB, wenn der Ersatz durch eine gleich­wer­ti­ge Pflan­ze zwar mög­lich ist, aber — wie es bei aus­ge­wach­se­nen Gehöl­zen regel­mä­ßig der Fall ist — unver­hält­nis­mä­ßi­ge Kos­ten ver­ur­sach­te. Eine sol­che Wert­min­de­rung kann nicht nur bei dem Ersatz eines aus­ge­wach­se­nen durch einen jun­gen Baum auf­grund einer Zer­stö­rung ent­ste­hen, son­dern auch bei einer Teil­schä­di­gung, bei­spiels­wei­se infol­ge einer Kro­nen­aus­lich­tung, Ver­krüp­pe­lung oder Ver­un­stal­tung (vgl. Senat, Urteil vom 27. Janu­ar 2006 — V ZR 46/05, NJW 2006, 1424 Rn. 18).

bb) Für die Bemes­sung der Wert­min­de­rung ist die "Metho­de Koch" auch bei einer Teil­schä­di­gung geeig­net. Das Sach­wert­ver­fah­ren ist eine von meh­re­ren im Grund­satz gleich­ran­gi­gen Metho­den zur Ermitt­lung des Grund­stücks­werts (vgl. §§ 21 ff. Immo­WertV; Senat, Urteil vom 2. Juli 2004 — V ZR 213/03, BGHZ 160, 8, 12). Maß­geb­lich ist bei einem Gehölz­scha­den — anders als bei blo­ßen Ver­kehrs­wert­ermitt­lun­gen von Grund­stü­cken — der Ver­gleich zwi­schen dem Zustand des kon­kre­ten Grund­stücks vor und nach dem Ein­tritt des Scha­dens­er­eig­nis­ses. Die­se Dif­fe­renz kann im Regel­fall nicht durch das Ver­gleichs- und Ertrags­wert­ver­fah­ren, son­dern nur durch ein auf die spe­zi­el­le Fra­ge­stel­lung zuge­schnit­te­nes Sach­wert­ver­fah­ren bemes­sen wer­den; dazu dient die "Metho­de Koch" sowohl bei einer Zer­stö­rung als auch bei einer Beschä­di­gung. Hier­nach ist der Zeit­wert des beschä­dig­ten Gehöl­zes zu ermit­teln, also der in der Ver­gan­gen­heit für die Auf­zucht erfor­der­li­che Auf­wand. Rich­ti­ger­wei­se ist eine Kapi­ta­li­sie­rung vor­zu­neh­men; denn es geht gera­de nicht um einen erst zukünf­tig anfal­len­den Auf­wand (unzu­tref­fend daher Palandt/Grüneberg, aaO, § 251 Rn. 12). Auch wei­te­re Ein­wän­de beru­hen auf metho­di­schen Miss­ver­ständ­nis­sen. Einer unter­ge­ord­ne­ten Funk­ti­on eines Gehöl­zes wird Rech­nung getra­gen, weil die Funk­ti­on Aus­gangs­punkt der Berech­nung ist; eine ver­kürz­te Rest­le­bens­dau­er fin­det durch Abschlä­ge im Sin­ne einer Alters­wert­min­de­rung Berück­sich­ti­gung (über­se­hen von Palandt/Grüneberg, aaO, § 251 Rn. 12; Staudinger/Schiemann, aaO, § 251 Rn. 91). Die sach­ver­stän­di­ge Beur­tei­lung ist Auf­ga­be eines Baum- oder Gehölz­sach­ver­stän­di­gen. Denn von Bedeu­tung ist bei­spiels­wei­se, wel­che Pflanz­grö­ße zum Aus­gangs­punkt der Berech­nung gemacht wird, wel­che Her­stel­lungs­kos­ten dadurch ent­ste­hen und ob sich die Schä­den mög­li­cher­wei­se rege­ne­rie­ren wer­den (Koch, aaO; Bre­lo­er, Der Sach­ver­stän­di­ge 2005, 217 f.). Die­se Fra­gen lie­gen außer­halb der Kom­pe­tenz eines Sach­ver­stän­di­gen für Grund­stücks­be­wer­tung.

Im Fal­le der Teil­be­schä­di­gung ist — je nach Aus­maß der Schä­den — nur ein zu schät­zen­der Teil des Zeit­werts ersatz­fä­hig. Bei gra­vie­ren­den Schä­di­gun­gen, bei­spiels­wei­se einer dau­er­haf­ten erheb­li­chen Ver­un­stal­tung oder Ver­krüp­pe­lung, kann sogar der gesam­te Zeit­wert zu erset­zen sein.

cc) Die Ver­ord­nung über die Grund­sät­ze für die Ermitt­lung der Ver­kehrs­wer­te von Grund­stü­cken vom 19. Mai 2010 (Immo­bi­li­en­wert­ermitt­lungs­ver­ord­nung – Immo­WertV, BGBl. I S. 639) steht der Scha­dens­be­mes­sung nach der "Metho­de Koch" nicht ent­ge­gen. Aller­dings zäh­len Bäu­me und Grün­pflan­zen danach zu den "sons­ti­gen Anla­gen", die in der Regel im Boden­wert ent­hal­ten sein sol­len; der Sach­wert bestimmt sich nur anhand der "nutz­ba­ren bau­li­chen Anla­gen" und dem Boden­wert (§ 21 Abs. 1, § 23 Abs. 3 Immo­WertV; näher Klei­ber in Ernst/Zinkahn/Bielenberg/Krautzberger, Bau­GB [2012], § 21 Immo­WertV Rn. 28 f.). Die Ver­ord­nung, die in ers­ter Linie der Immo­bi­li­en­be­wer­tung durch die Gut­ach­ter­aus­schüs­se in den durch das Bau­ge­setz­buch vor­ge­se­he­nen Fäl­len dient, ent­hält zwar — ohne Bin­dungs­wir­kung für die Gerich­te — all­ge­mein aner­kann­te Grund­sät­ze der Ver­kehrs­wert­ermitt­lung (näher Klei­ber, aaO, § 1 Immo­WertV Rn. 1 ff., 8 mwN). Sie ist auf den hier erfor­der­li­chen Ver­gleich eines kon­kre­ten Grund­stücks vor und nach einem Scha­dens­er­eig­nis aber nicht zuge­schnit­ten. Wür­de sie auch der Scha­dens­be­rech­nung bei einer Beschä­di­gung von Gehöl­zen zugrun­de gelegt, hät­te dies zur Fol­ge, dass der Grund­stücks­wert unab­hän­gig von dem Aus­maß der Beschä­di­gung regel­mä­ßig unver­än­dert blie­be. Dass das nicht rich­tig sein kann, liegt schon des­halb auf der Hand, weil grund­sätz­lich der Ersatz der beschä­dig­ten Pflan­zen durch einen gleich­wer­ti­gen Bewuchs gemäß § 249 Abs. 1 BGB geschul­det ist; ist dies nicht mög­lich oder ver­ur­sacht es unver­hält­nis­mä­ßi­ge Kos­ten, muss das Wie­der­her­stel­lungs­in­ter­es­se des Geschä­dig­ten durch Wert­er­satz kom­pen­siert wer­den. § 251 Abs. 2 Satz 1 BGB soll den Schä­di­ger zwar vor unver­hält­nis­mä­ßi­gen Her­stel­lungs­kos­ten schüt­zen, ihn aber nicht über Gebühr ent­las­ten.

d) Bei der Scha­dens­be­rech­nung muss stets in den Blick genom­men wer­den, dass die durch den Gehölz­scha­den ein­tre­ten­de Wert­min­de­rung des Grund­stücks nicht mit mathe­ma­ti­scher Genau­ig­keit ermit­telt wer­den kann und in das Ermes­sen des Tatrich­ters gestellt ist. Er muss nicht nur die Plau­si­bi­li­tät einer sach­ver­stän­dig erstell­ten Scha­dens­be­rech­nung kri­tisch wür­di­gen, son­dern die For­de­rungs­hö­he auch abschlie­ßend unter Wür­di­gung der Umstän­de des Ein­zel­falls auf ihre Ange­mes­sen­heit hin über­prü­fen.

e) Dem ent­spricht das Vor­ge­hen des Beru­fungs­ge­richts. Soweit sich die Revi­si­on gegen sei­ne Fest­stel­lun­gen wen­det, wonach die Bäu­me mas­siv und nach­hal­tig geschä­digt sind und der opti­sche Ein­druck des Grund­stücks nicht uner­heb­lich beein­träch­tigt ist, erhebt sie kei­ne Ver­fah­rens­rüge; sie ersetzt ledig­lich die Beweis­wür­di­gung des Beru­fungs­ge­richts durch ihre eige­ne. Auf der Grund­la­ge sei­ner Fest­stel­lun­gen hat das Beru­fungs­ge­richt den Zeit­wert der Abpflan­zung sach­ver­stän­dig bera­ten nach der "Metho­de Koch" ermit­telt. Weil das Aus­maß der Schä­di­gung unter­schied­lich war, hat es dem Gut­ach­ten fol­gend teils 50 %, teils 10 % des Zeit­werts als ersatz­fä­hig ange­se­hen und den errech­ne­ten Betrag ange­sichts des Scha­dens­bil­des für plau­si­bel gehal­ten. Dar­an hat es die zu erset­zen­den vor­ge­richt­li­chen Anwalts­kos­ten bemes­sen.

III.
Die Kos­ten­ent­schei­dung beruht auf § 97 Abs. 1 ZPO.

Lem­ke                         Czub                       Brück­ner

              Wein­land                    Kaze­le

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