Beschaf­fen­heits­ver­ein­ba­rung im Kauf­ver­trag

Stich­wor­te
Kauf­ver­trag, Sach­man­gel, Beschaf­fen­heits­ver­ein­ba­rung

Bun­des­ge­richts­hof
Urteil vom 26.04.2017 — VIII ZR 80/16
Lang­fas­sung

Tenor

Auf die Revi­si­on der Klä­ge­rin wird das Urteil des 16. Zivil­se­nats des Schles­wig-Hol­stei­ni­schen Ober­lan­des­ge­richts vom 17. März 2016 auf­ge­ho­ben.

Die Sache wird zur neu­en Ver­hand­lung und Ent­schei­dung, auch über die Kos­ten des Revi­si­ons­ver­fah­rens, an das Beru­fungs­ge­richt zurück­ver­wie­sen.

Von Rechts wegen.

Tat­be­stand

Die Klä­ge­rin ist Inha­be­rin eines Land­wirt­schafts­be­triebs, in dem sie Zucht­fer­kel pro­du­ziert. Zur Besa­mung ihrer Zucht­sau­en benö­tigt sie Eber­sper­ma, wel­ches sie in der Ver­gan­gen­heit bereits mehr­fach von der Beklag­ten bezo­gen hat­te, die eine Besa­mungs­sta­ti­on mit Ebern betreibt. Die Beklag­te warb im Janu­ar 2012 für ihren Betrieb unter ande­rem damit, ihr Eber­be­stand füh­re den Sta­tus "PRRS-unver­däch­tig". Die Abkür­zung PRRS steht für die Infek­ti­ons­krank­heit mit dem Namen "Por­zi­nes Repro­duk­ti­ves und Respi­ra­to­ri­sches Syn­drom". Eine Infek­ti­on hier­mit führt bei erwach­se­nen Zucht­schwei­nen zu Frucht­bar­keits­stö­run­gen mit der Fol­ge, dass es zu Abor­ten, Früh­ge­bur­ten sowie der Geburt toter mumi­fi­zier­ter oder lebens­schwa­cher Fer­kel kommt. Bei jün­ge­ren, infi­zier­ten Tie­ren tre­ten Atem­wegs­er­kran­kun­gen, Fres­sun­lust, Fie­ber, Hus­ten und her­ab­ge­setz­te Gewichts­zu­nah­me auf. Der Sta­tus "PRRS-unver­däch­tig" weist dar­auf hin, dass der sich so selbst bezeich­nen­de Betrieb ein regel­mä­ßi­ges, frei­wil­li­ges Moni­to­ring mit­tels Blut­pro­ben auf den PRRS-Erre­ger durch­führt und ein posi­ti­ver Befund "der­zeit nicht" vor­liegt. Auf­grund unver­meid­ba­rer dia­gnos­ti­scher Lücken bei den Kon­troll­un­ter­su­chun­gen kann hier­durch eine Belas­tung von Eber­sper­ma mit dem PRRS-Virus jedoch zu kei­nem Zeit­punkt mit hun­dert­pro­zen­ti­ger Sicher­heit aus­ge­schlos­sen wer­den.

Am frü­hen Mor­gen des 30. Janu­ar 2012 lie­fer­te die Beklag­te auf­grund einer kurz­fris­tig vor­aus­ge­gan­ge­nen tele­fo­ni­schen Bestel­lung ent­spre­chen­de Sper­ma­por­tio­nen, wel­che die Klä­ge­rin unmit­tel­bar nach Erhalt zur Befruch­tung ihrer Sau­en ein­setz­te. Der genaue Zeit­punkt, zu dem die Beklag­te erst­mals von Test­ergeb­nis­sen mit dem Inhalt Kennt­nis erhielt, ihr Bestand sei PRRS-ver­seucht, ist zwi­schen den Par­tei­en eben­so strei­tig wie der Zeit­punkt, zu dem die nach Kennt­nis­er­lan­gung vom posi­ti­ven Befund ver­an­lass­te War­nung die Klä­ge­rin erreich­te. Die Klä­ge­rin führ­te, nach­dem sie von der Infek­ti­on im Bestand der Beklag­ten erfah­ren hat­te, Blut­un­ter­su­chun­gen ihrer Sau­en durch. Im Rah­men der zwei­ten Unter­su­chung wur­de das PRRS-Virus, das nach der Behaup­tung der Klä­ge­rin mit dem in den von der Beklag­ten gelie­fer­ten Sper­ma­por­tio­nen nach­ge­wie­se­nen Erre­ger iden­tisch ist, auch in ihrem Bestand fest­ge­stellt.

Mit der Kla­ge begehrt die Klä­ge­rin von der Beklag­ten Ersatz des durch die Infek­ti­on ver­ur­sach­ten Scha­dens, den sie mit 634.990,40 € bezif­fert, sowie die Fest­stel­lung der Ver­pflich­tung der Beklag­ten, ihr auch alle wei­te­ren Schä­den zu erset­zen. Die Kla­ge hat in den Vor­in­stan­zen kei­nen Erfolg gehabt. Mit der vom Senat zuge­las­se­nen Revi­si­on ver­folgt die Klä­ge­rin ihr Kla­ge­be­geh­ren wei­ter.

Grün­de

Die Revi­si­on hat Erfolg.

I.

Das Beru­fungs­ge­richt hat zur Begrün­dung sei­ner Ent­schei­dung, soweit für das Revi­si­ons­ver­fah­ren von Inter­es­se, aus­ge­führt:

Der Klä­ge­rin ste­he gegen die Beklag­te ein Scha­dens­er­satz­an­spruch aus § 433 Abs. 1, § 434, § 437 Nr. 3, § 280 Abs. 1 BGB nicht zu. Das von der Beklag­ten gelie­fer­te Eber­sper­ma sei nicht man­gel­haft, auch wenn es mit dem PRRS-Virus belas­tet gewe­sen sei.

Eine PRRS-freie Beschaf­fen­heit des Eber­sper­mas sei zwi­schen den Par­tei­en nicht ver­ein­bart wor­den. Selbst wenn man davon aus­gin­ge, die Par­tei­en hät­ten auf­grund der Wer­bung der Beklag­ten, der von ihr geführ­te Betrieb sei "PRRS-unver­däch­tig", kon­klu­dent eine Beschaf­fen­heits­ver­ein­ba­rung geschlos­sen, rich­te­te sich die­se nur dar­auf, dass das Eber­sper­ma auf­grund von regel­mä­ßi­gen, stan­dar­di­sier­ten Kon­trol­len unver­däch­tig sei. Sol­che Kon­trol­len hät­ten aber statt­ge­fun­den. Das habe die Beklag­te in der münd­li­chen Ver­hand­lung im Ein­zel­nen geschil­dert und sei auch durch die vor­ge­leg­ten Test­ergeb­nis­se belegt.

PRRS-belas­te­tes Sper­ma eig­ne sich zudem für die vom Ver­trag vor­aus­ge­setz­te Ver­wen­dung (§ 434 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 BGB), da es zur Besa­mung von Sau­en geeig­net gewe­sen sei. Selbst wenn sich der Ver­wen­dungs­zweck hier­in nicht erschöpf­te, son­dern die­ser auch die Erzeu­gung von Mast­fer­keln erfass­te, wäre ein Sach­man­gel nach § 434 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 BGB zu ver­nei­nen. Denn auch das sei mit dem infi­zier­ten Sper­ma mög­lich, wenn auch mög­li­cher­wei­se nicht in dem gewünsch­ten Umfang.

Schließ­lich wei­se PRRS-belas­te­tes Eber­sper­ma eine Beschaf­fen­heit auf, die bei Sachen der glei­chen Art üblich sei und der Käu­fer nach Art der Sache erwar­ten kön­ne. Denn der Käu­fer kön­ne — was der gericht­lich bestell­te Sach­ver­stän­di­ge aus­ge­führt habe — auch von einem als "PRRS-unver­däch­tig" bezeich­ne­ten Betrieb nur mit einer gewis­sen Wahr­schein­lich­keit erwar­ten, dass das Eber­sper­ma nicht infi­ziert sei. Die­ses sei nur in der Regel nicht mit dem PRRS-Virus belas­tet. Dem Käu­fer sei jedoch klar, dass eine hun­dert­pro­zen­ti­ge Gewiss­heit nicht zu errei­chen sei. Ein Man­gel des Sper­mas sei daher im Hin­blick auf des­sen zu erwar­ten­de Beschaf­fen­heit zu ver­nei­nen.

Auch ein Anspruch auf Scha­dens­er­satz nach § 280 Abs. 1 BGB im Hin­blick auf eine von der Klä­ge­rin gel­tend gemach­te Auf­klä­rungs­pflicht­ver­let­zung bestehe nicht. Zwar sei die Beklag­te gehal­ten gewe­sen, jeden Ver­dacht auf eine PRRS-Ver­seu­chung ihres Betriebs unver­züg­lich nach eige­ner Kennt­nis an die Klä­ge­rin wei­ter­zu­ge­ben. Dies sei indes, wie sich aus der per­sön­li­chen Anhö­rung des Geschäfts­füh­rers der Beklag­ten in der münd­li­chen Ver­hand­lung vor dem Beru­fungs­ge­richt am 15. Febru­ar 2016 erge­ben habe, auch gesche­hen. Danach habe die Beklag­te selbst erst am Vor­mit­tag des 30. Janu­ar 2012 von den PRRS-posi­ti­ven ELI­SA-Test­ergeb­nis­sen erfah­ren. Selbst wenn, was zwi­schen den Par­tei­en strei­tig sei, die War­nung die Klä­ge­rin bereits unmit­tel­bar danach, am Vor­mit­tag des 30. Janu­ar 2012, erreicht hät­te, hät­te sich das Risi­ko einer Infek­ti­on der Sau­en der Klä­ge­rin bereits durch die ers­te Bele­gung der Sau­en in den frü­hen Mor­gen­stun­den des 30. Janu­ar 2012 ver­wirk­licht. Damit feh­le es jeden­falls an der not­wen­di­gen Kau­sa­li­tät zwi­schen der Auf­klä­rungs­pflicht­ver­let­zung und dem ein­ge­tre­te­nen Scha­den.

II.

Die­se Beur­tei­lung hält recht­li­cher Nach­prü­fung nicht stand. Mit der vom Beru­fungs­ge­richt gege­be­nen Begrün­dung kann ein Anspruch der Klä­ge­rin auf Scha­dens­er­satz nach § 437 Nr. 3, § 434 Abs. 1, § 280 Abs. 1 BGB nicht ver­neint wer­den. Denn anders als das Beru­fungs­ge­richt meint, ist Eber­sper­ma, das mit dem PRRS-Virus infi­ziert ist, nach § 434 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 BGB man­gel­haft.

1. Zutref­fend und von der Revi­si­on unbe­an­stan­det geht das Beru­fungs­ge­richt aller­dings davon aus, dass die Par­tei­en eine Beschaf­fen­heits­ver­ein­ba­rung über die Lie­fe­rung PRRS-frei­en Eber­sper­mas nicht getrof­fen haben.

a) Nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Senats setzt eine Beschaf­fen­heits­ver­ein­ba­rung im Sin­ne von § 434 Abs. 1 Satz 1 BGB vor­aus, dass der Ver­käu­fer in ver­trags­ge­mäß bin­den­der Wei­se die Gewähr für das Vor­han­den­sein einer Eigen­schaft der Kauf­sa­che über­nimmt und damit sei­ne Bereit­schaft zu erken­nen gibt, für alle Fol­gen des Feh­lens die­ser Eigen­schaft ein­zu­ste­hen (Senats­ur­tei­le vom 4. Juni 1997 — VIII ZR 243/96, BGHZ 135, 393, 396 [zu § 459 Abs. 2 BGB aF]; vom 12. März 2008 — VIII ZR 253/05, NJW 2008, 1517 Rn. 13; vom 29. Juni 2016 — VIII ZR 191/15, NJW 2016, 3015 Rn. 34). Eine sol­che Ver­ein­ba­rung kann aus­drück­lich oder — was im Streit­fall allein in Betracht kommt — durch schlüs­si­ges Ver­hal­ten getrof­fen wer­den (Senats­ur­tei­le vom 29. Juni 2016 — VIII ZR 191/15, aaO Rn. 18; vom 4. Juni 1997 — VIII ZR 243/96, aaO). Die Annah­me einer kon­klu­den­ten Beschaf­fen­heits­ver­ein­ba­rung kommt dabei nicht "im Zwei­fel", son­dern nur in einem ein­deu­ti­gen Fall in Betracht (Senats­ur­tei­le vom 29. Juni 2016 — VIII ZR 191/15, aaO Rn. 35; vom 12. März 2008 - VIII ZR 253/05, aaO; Senats­be­schluss vom 2. Novem­ber 2010 — VIII ZR 287/09, DAR 2011, 520 Rn. 4). Ob im Ein­zel­fall in die­ser Wei­se eine Beschaf­fen­heits­ver­ein­ba­rung zu beja­hen ist, ist eine Fra­ge der in ers­ter Linie dem Tatrich­ter oblie­gen­den Ver­trags­aus­le­gung (Senats­ur­tei­le vom 29. Juni 2016 — VIII ZR 191/15, aaO Rn. 18; vom 4. Juni 1997 — VIII ZR 243/96, aaO).

b) Gemes­sen an die­sem Maß­stab hat das Beru­fungs­ge­richt eine Beschaf­fen­heits­ver­ein­ba­rung, dass PRRS-frei­er Samen zu lie­fern sei, rechts­feh­ler­frei ver­neint. Allein die Bezeich­nung des Betriebs der Beklag­ten als "PRRS-unver­däch­tig" sowie die Lie­fe­rung von PRRS-frei­em Eber­sper­ma in der Ver­gan­gen­heit bie­ten kei­ne aus­rei­chen­de Grund­la­ge für die Annah­me, die Beklag­te habe damit still­schwei­gend die Gewähr für unbe­las­te­tes Sper­ma über­neh­men und für alle Fol­gen einer Virus­be­las­tung ein­ste­hen wol­len.

2. Von Rechts­irr­tum beein­flusst ist indes die Wer­tung des Beru­fungs­ge­richts, auch mit dem PRRS-Virus ver­seuch­tes Eber­sper­ma eig­ne sich im Sin­ne des § 434 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 BGB für die nach dem Ver­trag vor­aus­ge­setz­te Ver­wen­dung.

a) Ver­trag­lich vor­aus­ge­setzt im Sin­ne des § 434 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 BGB ist die zwar nicht ver­ein­bar­te, aber von bei­den Ver­trags­par­tei­en über­ein­stim­mend unter­stell­te Ver­wen­dung der Kauf­sa­che, die von der gewöhn­li­chen Ver­wen­dung abwei­chen kann (BGH, Urteil vom 16. März 2012 — ZR 18/11, NJW-RR 2012, 1078 Rn. 16; Palandt-Wei­den­kaff, BGB, 76. Aufl., § 434 Rn. 22; vgl. auch BT-Drucks. 14/4060 S. 213). Frei von Rechts­feh­lern hat das Beru­fungs­ge­richt inso­weit ange­nom­men, die Par­tei­en hät­ten in die­sem Sin­ne eine Ver­wen­dung des von der Zucht­sta­ti­on der Beklag­ten an den Zucht­be­trieb der Klä­ge­rin gelie­fer­ten Eber­sa­mens zum Zweck der Besa­mung der Zucht­sau­en — was hier gleich­zei­tig der gewöhn­li­chen Ver­wen­dung ent­sprach — vor­aus­ge­setzt.

b) Rechts­feh­ler­haft ist jedoch die wei­te­re Beur­tei­lung des Beru­fungs­ge­richts, der infi­zier­te Eber­sa­men sei für die vor­ge­se­he­ne Ver­wen­dung geeig­net, weil es mög­lich sei, die Zucht­sau­en damit zu besa­men.

Denn die Eig­nung einer Sache für eine bestimm­te Ver­wen­dung ist nicht erst zu ver­nei­nen, wenn die Taug­lich­keit der Kauf­sa­che zu die­sem Gebrauch ganz auf­ge­ho­ben ist, son­dern — was das Beru­fungs­ge­richt ver­kennt — bereits dann, wenn sie ledig­lich gemin­dert ist (vgl. BGH, Urtei­le vom 16. Janu­ar 1985 — VIII ZR 317/83, NJW 1985, 1769 unter II 1 a; vom 10. März 2009 — VIII ZR 34/08, NJW 2009, 1588 Rn. 12; vom 27. März 2009 — ZR 30/08, BGHZ 180, 205 Rn. 7; vom 26. Okto­ber 2016 — VIII ZR 240/15, NJW 2017, 153 Rn. 15). Die Eig­nung einer Sache zur gewöhn­li­chen Ver­wen­dung ist bei­spiels­wei­se gemin­dert oder auf­ge­ho­ben, wenn mit der übli­chen Nut­zung des Kauf­ob­jekts erheb­li­che Gesund­heits­ge­fah­ren oder das Risi­ko eines gro­ßen wirt­schaft­li­chen Scha­dens ver­bun­den sind (vgl. BGH, Urtei­le vom 16. Janu­ar 1985 — VIII ZR 317/83, aaO; vom 26. Okto­ber 2016 — VIII ZR 240/15, aaO Rn. 16; vom 27. März 2009 — ZR 30/08, aaO Rn. 9). Für die Eig­nung einer Sache für die nach dem Ver­trag vor­aus­ge­setz­te Ver­wen­dung gilt im Grund­satz nichts ande­res.

c) Bei Anle­gung die­ses Maß­sta­bes eig­nen sich Sper­ma­lie­fe­run­gen, die mit dem PRRS-Virus belas­tet sind, nicht zur (gefahr­lo­sen) Besa­mung von Zucht­sau­en und sind daher man­gel­haft im Sin­ne von § 434 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 BGB. Denn nach den unan­ge­grif­fe­nen Fest­stel­lun­gen des Beru­fungs­ge­richts kann die Infi­zie­rung mit dem PRRS-Virus bei jün­ge­ren Tie­ren nament­lich zu Atem­wegs­er­kran­kun­gen, Fres­sun­lust und her­ab­ge­setz­ter Gewichts­zu­nah­me sowie bei erwach­se­nen Zucht­schwei­nen zu Frucht­bar­keits­stö­run­gen, Spät‑, Früh- und Tot­ge­bur­ten sowie der Geburt lebens­schwa­cher Fer­kel füh­ren. Mit der Ver­wen­dung des PRRS-belas­te­ten Samens ist folg­lich eine erheb­li­che, über die nor­ma­le mit der Träch­tig­keit ver­bun­de­ne gesund­heit­li­che Gefähr­dung der zu bele­gen­den Sau­en ver­bun­den. Zudem liegt es auf der Hand, dass damit nega­ti­ve Fol­gen für die Ren­ta­bi­li­tät einer Schwei­ne­zucht, wie sie die Klä­ge­rin betreibt, ein­her­ge­hen.

Der Hin­weis des Beru­fungs­ge­richts, wegen des nicht völ­lig aus­zu­schlie­ßen­den Infek­ti­ons­ri­si­kos habe die Klä­ge­rin nicht erwar­ten kön­nen, unbe­las­te­tes Eber­sper­ma zu erwer­ben, liegt neben der Sache. Aus der — nie aus­zu­schlie­ßen­den — Mög­lich­keit, dass sich bei einem Gat­tungs­kauf die tat­säch­lich gelie­fer­te Ware als für die ver­trag­lich vor­aus­ge­setz­te Ver­wen­dung unge­eig­net erweist, kann nicht gefol­gert wer­den, der Käu­fer habe nichts ande­res erwar­ten kön­nen und die unge­eig­ne­te Sache sei schon des­halb nicht man­gel­haft; dies lie­fe auf einen Zir­kel­schluss hin­aus. Die ver­fehl­te Sicht­wei­se des Beru­fungs­ge­richts hät­te im Übri­gen zur Kon­se­quenz, dass die Klä­ge­rin selbst PRRS-ver­seuch­tes und damit für die nach­fol­gen­de Ver­wen­dungs­ab­sicht untaug­li­ches Eber­sper­ma, das vor der Aus­lie­fe­rung als sol­ches erkannt wor­den wäre, als ver­trags­ge­mäß hät­te abneh­men und bezah­len müs­sen.

Soweit die Revi­si­ons­er­wi­de­rung unter Ver­weis auf das Senats­ur­teil vom 7. Febru­ar 2007 (VIII ZR 266/06, NJW 2007, 1351 Rn. 19) meint, nach der Recht­spre­chung des Senats kön­ne der Käu­fer bei dem Ankauf eines Lebe­we­sens oder Pro­duk­ten eines Lebe­we­sens einen Ide­al­zu­stand nicht erwar­ten, über­sieht sie, dass Eber­sper­ma, das mit PRRS-Viren ver­seucht ist, nicht etwa von einer phy­sio­lo­gi­schen Ide­al­norm abweicht, son­dern einen patho­lo­gi­schen Zustand auf­weist.

3. Die Ent­schei­dung des Beru­fungs­ge­richts stellt sich auch nicht aus ande­ren Grün­den als rich­tig dar (§ 561 ZPO).

Aller­dings stün­de der Klä­ge­rin der gel­tend gemach­te Scha­dens­er­satz­an­spruch nicht zu, wenn die Beklag­te die in der Lie­fe­rung man­gel­haf­ten Eber­sa­men lie­gen­de Pflicht­ver­let­zung nicht zu ver­tre­ten hät­te (§ 280 Abs. 1 Satz 2 BGB). Hier­zu hat das Beru­fungs­ge­richt — vor dem Hin­ter­grund sei­ner Rechts­auf­fas­sung fol­ge­rich­tig — kei­ne aus­rei­chen­den Fest­stel­lun­gen getrof­fen.

Zwar führt das Beru­fungs­ge­richt — aller­dings im Zusam­men­hang mit der Fra­ge einer mög­li­chen Beschaf­fen­heits­ver­ein­ba­rung — aus, es hät­ten "regel­mä­ßi­ge stan­dar­di­sier­te Kon­trol­len" statt­ge­fun­den; dies habe die Beklag­te in der Beru­fungs­ver­hand­lung geschil­dert und durch die vor­ge­leg­ten Test­ergeb­nis­se belegt. Die­se rudi­men­tä­ren Fest­stel­lun­gen erlau­ben indes nicht die Beur­tei­lung der hier ent­schei­den­den Fra­ge, ob sich die Beklag­te ent­las­tet und somit die in der man­gel­haf­ten Lie­fe­rung lie­gen­de Pflicht­ver­let­zung nicht zu ver­tre­ten hat. Es ist dem Beru­fungs­ur­teil schon nicht zu ent­neh­men, wel­che kon­kre­ten Schutz- und Kon­troll­maß­nah­men zur Ver­hin­de­rung einer Infi­zie­rung ihres Bestan­des bezie­hungs­wei­se der Lie­fe­rung ver­seuch­ten Sper­mas die Beklag­te im Ein­zel­nen ergrif­fen haben will. Mit der — gege­be­nen­falls mit sach­ver­stän­di­ger Hil­fe zu beant­wor­ten­den — Fra­ge, ob vor­ge­tra­ge­ne Maß­nah­men zur Ent­las­tung der Klä­ge­rin ange­sichts der eige­nen Betriebs­be­zeich­nung als "PRRS-unver­däch­tig" aus­reich­ten, hat sich das Beru­fungs­ge­richt vor dem Hin­ter­grund sei­ner Rechts­auf­fas­sung zur Man­gel­frei­heit des ver­seuch­ten Eber­sper­mas nicht befasst, so dass es auch in die­ser Hin­sicht wei­te­rer Fest­stel­lun­gen bedarf.

4. Soweit das Beru­fungs­ge­richt einen Scha­dens­er­satz­an­spruch nach § 280 Abs. 1 BGB unter dem recht­li­chen Gesichts­punkt einer unter­blie­be­nen Auf­klä­rung über den PRRS-Befall ihres Bestan­des ver­neint hat, ist dies aller­dings — ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Revi­si­on — aus Rechts­grün­den nicht zu bean­stan­den.

Denn ein sol­cher Anspruch setzt vor­aus, dass die Beklag­te von dem Befall so recht­zei­tig erfah­ren hat, dass eine unver­züg­li­che Mit­tei­lung an die Klä­ge­rin den Scha­den noch hät­te ver­hin­dern kön­nen. Dass die Klä­ge­rin, die die Beweis­last für eine der­ar­ti­ge recht­zei­ti­ge Kennt­nis der Beklag­ten trägt, für ihre Behaup­tung, die Beklag­te habe schon im Dezem­ber 2011 von dem Befall erfah­ren, Beweis ange­tre­ten hät­te, lässt sich dem Beru­fungs­ur­teil indes nicht ent­neh­men. Die Revi­si­on macht auch nicht gel­tend, dass das Beru­fungs­ge­richt Beweis­an­ge­bo­te der Klä­ge­rin über­gan­gen hät­te. Unter die­sen Umstän­den ist es nicht zu bean­stan­den, dass das Beru­fungs­ge­richt die Dar­stel­lung des Geschäfts­füh­rers der Beklag­ten, er habe erst am 30. Janu­ar 2012 von dem PRRS-Befall sei­nes Bestan­des erfah­ren, sei­ner recht­li­chen Wür­di­gung zugrun­de gelegt und ange­nom­men hat, dass zu die­sem Zeit­punkt der Scha­den ange­sichts der bereits in den frü­hen Mor­gen­stun­den die­ses Tages vor­ge­nom­me­nen Besa­mung nicht mehr ver­hin­dert wer­den konn­te. Die in die­sem Zusam­men­hang von der Klä­ge­rin erho­be­nen Ver­fah­rens­rügen hat der Senat geprüft, aber nicht für durch­grei­fend erach­tet; von einer nähe­ren Begrün­dung wird gemäß § 564 Satz 1 ZPO abge­se­hen.

III.

Nach alle­dem kann das ange­foch­te­ne Urteil kei­nen Bestand haben; es ist daher auf­zu­he­ben (§ 562 Abs. 1 ZPO). Die Sache ist, da der Rechts­streit nicht zur End­ent­schei­dung reif ist, zur erneu­ten Ver­hand­lung und Ent­schei­dung an das Beru­fungs­ge­richt zurück­zu­ver­wei­sen (§ 563 Abs. 1 Satz 1 ZPO), damit das Beru­fungs­ge­richt — gege­be­nen­falls nach ergän­zen­dem Sach­vor­trag der Par­tei­en zu einer etwai­gen Ent­las­tung der Beklag­ten — die noch erfor­der­li­chen Fest­stel­lun­gen zu dem von der Klä­ge­rin gel­tend gemach­ten Scha­dens­er­satz­an­spruch wegen Lie­fe­rung man­gel­haf­ten Eber­sper­mas tref­fen kann.

Dr. Mil­ger Dr. Hes­sel Dr. Achil­les Dr. Schnei­der Dr. Bün­ger

« Übersicht Immobilien aktuell