Ände­rungs­be­fug­nis des Bauträgers

 

Stich­wor­te
Prü­fung Bau­trä­ger­ver­trag, Ände­rungs­be­fug­nis, Ände­rungs­voll­macht, Änderungsbeschränkungen

Bun­des­ge­richts­hof
Urteil vom 23.01.2026 — VIII ZR 80/16

 

Tenor

Der V. Zivil­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs hat auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 23. Janu­ar 2026 durch die Vor­sit­zen­de Rich­te­rin Dr. Brück­ner, die Rich­ter Dr. Göbel, Dr. Ham­dorf und Dr. Malik und die Rich­te­rin Dr. Grau
für Recht erkannt:

Die Revi­si­on gegen das Urteil des Kam­mer­ge­richts – 21. Zivil­se­nat – vom 23. April 2025 wird auf Kos­ten der Klä­ge­rin zurückgewiesen.

Von Rechts wegen

"Tat­be­stand:
Die Klä­ge­rin war zusam­men mit einer wei­te­ren Gesell­schaft (im Fol­gen­den: Mit­ei­gen­tü­me­rin) Bruch­teils­ei­gen­tü­me­rin eines Grund­stücks. Die Mit­ei­gen­tü­me­rin­nen beab­sich­tig­ten die Errich­tung einer Woh­nungs­ei­gen­tums­an­la­ge. Mit Tei­lungs­er­klä­rung vom 18. Mai 2015 teil­ten sie das Grund­stück unter Bil­dung der Unter­ge­mein­schaf­ten A bis E in Woh­nungs- und Teil­ei­gen­tum auf. Die zur Unter­ge­mein­schaft B („Teileigentumsrechte[Apartment]“) gehö­ren­den 38 Teil­ei­gen­tums­ein­hei­ten dür­fen für einen Beher­ber­gungs­be­trieb genutzt wer­den. Am 19. Juli 2016 schlos­sen die Beklag­ten mit der Klä­ge­rin einen nota­ri­ell beur­kun­de­ten Bau­trä­ger­ver­trag über eine der Klä­ge­rin zuge­wie­se­ne Teil­ei­gen­tums­ein­heit, und zwar eine zur Unter­ge­mein­schaft C („Teileigentumsrechte[Gewerbe EG]“) gehö­ren­de Laden­ein­heit im Erd­ge­schoss des Gebäu­des. In § 12.1.1 des von der Klä­ge­rin vor­for­mu­lier­ten Ver­trags erteil­ten die Beklag­ten der Klä­ge­rin eine unwi­der­ruf­li­che Voll­macht, um in ihrem Namen die Tei­lungs­er­klä­rung samt Gemein­schafts­ord­nung „nach­träg­lich belie­big abzu­än­dern und alle damit in Zusam­men­hang ste­hen­den Erklä­run­gen abzu­ge­ben...“. Wei­ter heißt es dort:

„Die Voll­mach­ten sind gegen­über dem Grund­buch­amt nicht beschränkt, son­dern all­ge­mein erteilt; die Beschrän­kun­gen gel­ten nur im Innen­ver­hält­nis zwi­schen den Ver­trags­par­tei­en und schrän­ken den Umfang der Voll­macht gegen­über dem Grund­buch­amt in kei­ner Wei­se ein. …

Im Innen­ver­hält­nis ist der Bevoll­mäch­tig­te inso­fern beschränkt, dass Ände­run­gen bei wirt­schaft­li­cher Betrach­tungs­wei­se Inhalt und Umfang des Son­der­ei­gen­tums des Käu­fers oder der­je­ni­gen Tei­le des Gemein­schafts­ei­gen­tums, die ihm zur allei­ni­gen Nut­zung zuge­wie­sen sind, ohne sei­ne Zustim­mung nicht beein­träch­tigt wer­den dür­fen (sic!). Ver­kehrs- und Gemein­schafts­flä­chen, soweit für die Nut­zung durch den Käu­fer von Bedeu­tung, dür­fen nicht wesent­lich ver­klei­nert oder ver­legt wer­den. Kos­ten dür­fen dem Käu­fer durch etwa­ige Ände­run­gen nicht ent­ste­hen. Unter die­sen Vor­aus­set­zun­gen ist der Käu­fer der Ver­käu­fe­rin gegen­über zu sol­chen Ände­run­gen auch verpflichtet. …“

Am 8. Febru­ar 2017 lie­ßen die Klä­ge­rin und die Mit­ei­gen­tü­me­rin einen „2. Nach­trag zur Tei­lungs­er­klä­rung“ (im Fol­gen­den: 2. Nach­trag) beur­kun­den, durch den – soweit noch von Inter­es­se – die den Beher­ber­gungs­ein­hei­ten der Unter­ge­mein­schaft B zuge­wie­se­nen Abstell­räu­me ent­fie­len und die Zahl der Beher­ber­gungs­ein­hei­ten von 38 auf 58 erhöht wur­de. Die Klä­ge­rin und die Mit­ei­gen­tü­me­rin han­del­ten dabei auch in Aus­übung der Ände­rungs­voll­mach­ten, die ihnen die Erwer­ber von Son­der­ei­gen­tum an dem Grund­stück in den jewei­li­gen Bau­trä­ger­ver­trä­gen erteilt hat­ten. Die Beklag­ten wider­rie­fen die der Klä­ge­rin ein­ge­räum­te Voll­macht. Die Klä­ge­rin und die Mit­ei­gen­tü­me­rin lie­ßen das Gebäu­de wie im 2. Nach­trag vor­ge­se­hen errich­ten, obwohl die Ände­rung der Tei­lungs­er­klä­rung bis heu­te noch nicht in das Grund­buch ein­ge­tra­gen ist. Mit Zwi­schen­ver­fü­gung vom 19. Okto­ber 2021 wies das Grund­buch­amt auf Ein­tra­gungs­hin­der­nis­se hin. Zu deren Besei­ti­gung lie­ßen die Klä­ge­rin und die Mit­ei­gen­tü­me­rin am 7. April 2022 – wie­der­um auch im Namen der Erwer­ber – einen „4. Nach­trag zur Tei­lungs­er­klä­rung“ (im Fol­gen­den: 4. Nach­trag) nota­ri­ell beur­kun­den, der wei­te­re Ände­run­gen der Tei­lungs­er­klä­rung und der Gemein­schafts­ord­nung ent­hält, die die erhöh­te Anzahl der Teil­ei­gen­tums­ein­hei­ten der Unter­ge­mein­schaft B umset­zen soll­ten. Dabei gin­gen sie davon aus, wegen des Wider­rufs der Voll­macht durch die Beklag­ten für die­se mög­li­cher­wei­se als Ver­tre­ter ohne Ver­tre­tungs­macht zu handeln.

Die auf Ertei­lung der Geneh­mi­gung der für die Beklag­ten im 4. Nach­trag abge­ge­be­nen Erklä­run­gen gerich­te­te Kla­ge ist vor dem Land­ge­richt ohne Erfolg geblie­ben. Das Kam­mer­ge­richt hat die Beru­fung der Klä­ge­rin zurück­ge­wie­sen. Mit der von dem Kam­mer­ge­richt zuge­las­se­nen Revi­si­on, deren Zurück­wei­sung der Beklag­te zu 1 bean­tragt, ver­folgt die Klä­ge­rin ihren Kla­ge­an­trag weiter.

Entscheidungsgründe:

I.

Das Beru­fungs­ge­richt, des­sen Ent­schei­dung unter ande­rem in ZfIR 2025, 347 ver­öf­fent­licht ist, ver­neint einen Anspruch der Klä­ge­rin auf Geneh­mi­gung der im 4. Nach­trag beur­kun­de­ten Ände­run­gen, die die Erhö­hung der ursprüng­lich vor­ge­se­he­nen Anzahl der Beher­ber­gungs­ein­hei­ten der Unter­ge­mein­schaft B betref­fen. Es bestehe aller­dings ein Bedürf­nis für die begehr­te Geneh­mi­gung, weil die im Bau­trä­ger­ver­trag erteil­te Ände­rungs­voll­macht nach § 308 Nr. 4 BGB unwirk­sam sei. Die Beklag­ten könn­ten sich auf die­se Norm beru­fen, da sie Ver­brau­cher sei­en. Auch wenn der Ver­trags­ge­gen­stand eine Gewer­be­ein­heit sei und die Beklag­ten im Bau­trä­ger­ver­trag ange­ge­ben hät­ten, Unter­neh­mer im Sin­ne des Umsatz­steu­er­ge­set­zes zu sein, hät­ten sie die Gewer­be­ein­heit im Zwei­fel im Rah­men ihrer Ver­mö­gens­ver­wal­tung und damit als Ver­brau­cher gekauft. Im Aus­gangs­punkt ver­lan­ge § 308 Nr. 4 BGB kei­ne Beschrän­kung der Ände­rungs­voll­macht im Außen­ver­hält­nis. Im Innen­ver­hält­nis müs­se die mög­li­che Leis­tungs­än­de­rung für den Erwer­ber zwar kal­ku­lier­bar sein, und der wesent­li­che Kern der ver­trag­li­chen Leis­tung dür­fe nicht beein­träch­tigt wer­den. Um den Anfor­de­run­gen des § 308 Nr. 4 BGB zu genü­gen, müs­se die Klau­sel aber nicht dar­über hin­aus aus­drück­lich fest­hal­ten, dass die Aus­übung der Ände­rungs­voll­macht an das Vor­lie­gen eines trif­ti­gen Grun­des geknüpft sei; erst recht müss­ten sol­che Grün­de im Ver­trag nicht benannt wer­den. Außer einer Leer­for­mel wäre damit nichts gewon­nen. Es genü­ge viel­mehr, wenn der Bau­trä­ger­ver­trag die gebo­te­nen Beschrän­kun­gen im Innen­ver­hält­nis rege­le und deren Ein­hal­tung dadurch sicher­ge­stellt wer­de, dass die Aus­übung der Voll­macht durch einen Notar über­wacht wer­de. Die Ände­rungs­voll­macht sei aber hier im Innen­ver­hält­nis nicht aus­rei­chend beschränkt, weil sie es dem Bau­trä­ger ermög­li­che, dem Erwer­ber neue Ver­bind­lich­kei­ten auf­zu­er­le­gen und zudem die Zweck­be­stim­mung von Son­der­ei­gen­tum mehr als nur unwe­sent­lich zu ändern. Zwar fol­ge aus dem Gebot der gegen­sei­ti­gen Ver­trags­er­fül­lung gemäß Treu und Glau­ben (§ 242 BGB), dass der Ver­wen­der trotz Unwirk­sam­keit der Klau­sel einen Anspruch auf Geneh­mi­gung min­des­tens sol­cher Ände­run­gen habe, für die er sich eine Ände­rungs­voll­macht hät­te aus­be­din­gen dür­fen. Da der 4. Nach­trag aber einer mehr als unwe­sent­li­chen Ände­rung der Zweck­be­stim­mung der zu der Unter­ge­mein­schaft B gehö­ren­den Teil­ei­gen­tums­ein­hei­ten die­ne, ste­he der Klä­ge­rin kein sol­cher Anspruch zu.

Ein Anspruch auf Geneh­mi­gung fol­ge schließ­lich nicht aus der in § 12.1.1 des Bau­trä­ger­ver­trags über­nom­me­nen Ver­pflich­tung der Beklag­ten zur Zustim­mung zu den Ände­run­gen. Die­se Klau­sel sei aus den glei­chen Grün­den wie die Ände­rungs­voll­macht gemäß § 308 Nr. 4 BGB unwirksam.

II.

Das hält revi­si­ons­recht­li­cher Nach­prü­fung im Ergeb­nis stand. Der Beklag­te zu 2 war im Ver­hand­lungs­ter­min vor dem Senat nicht ver­tre­ten. Gleich­wohl ist nicht durch Ver­säum­nis­ur­teil, son­dern durch End­ur­teil (unech­tes Ver­säum­nis­ur­teil) zu ent­schei­den, da sich die Revi­si­on der Klä­ge­rin auf der Grund­la­ge des von dem Beru­fungs­ge­richt fest­ge­stell­ten Sach­ver­halts auch im Hin­blick auf den Beklag­ten zu 2 als unbe­grün­det erweist (vgl. Senat, Urteil vom 18. Juni 2021 – V ZR 146/20, NZM 2021, 722 Rn. 4).

1. Das Beru­fungs­ur­teil unter­liegt, was der Senat unge­ach­tet des § 526 Abs. 3 ZPO von Amts wegen zu prü­fen hat, nicht schon des­we­gen der Auf­he­bung, weil der Ein­zel­rich­ter ent­schie­den und die Revi­si­on zuge­las­sen hat. Zwar hat der Gesetz­ge­ber die Zulas­sung der Revi­si­on durch einen Ein­zel­rich­ter im Grund­satz aus­schlie­ßen wol­len, wes­halb das mit der Beru­fung befass­te Kol­le­gi­al­ge­richt vor einer Über­tra­gung auf den Ein­zel­rich­ter nach § 526 Abs. 1 ZPO sorg­fäl­tig zu über­prü­fen hat, ob ein Zulas­sungs­grund i.S.v. § 543 Abs. 2 Satz 1 ZPO besteht. Der Ein­zel­rich­ter im Beru­fungs­ver­fah­ren ist aber der für die Ent­schei­dung gesetz­lich zustän­di­ge Rich­ter, wenn das voll­be­setz­te Beru­fungs­ge­richt ihm die Sache zur Ent­schei­dung über­tra­gen hat und kein Rück­über­tra­gungs­grund nach § 526 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 ZPO vor­liegt; er kann dann ohne Ver­fah­rens­ver­stoß die Revi­si­on zulas­sen (zum Gan­zen Senat, Urteil vom 18. Novem­ber 2016 – V ZR 221/15, NJW-RR 2017, 260 Rn. 6; Urteil vom 17. März 2023 – V ZR 109/22, NJW 2023, 715 Rn. 10, jeweils mwN). So ver­hält es sich hier.

2. Die auf Geneh­mi­gung des 4. Nach­trags gerich­te­te Kla­ge ist zuläs­sig; ins­be­son­de­re besteht unab­hän­gig von der Wirk­sam­keit der for­mu­lar­mä­ßig erteil­ten Voll­macht ein Rechts­schutz­be­dürf­nis. Die Beklag­ten haben die Voll­macht wider­ru­fen, und zwi­schen den Par­tei­en herrscht Streit dar­über, ob bereits deren Ertei­lung unwirk­sam war. Das Grund­buch­amt wei­gert sich aus die­sem Grund, die in dem 2. Nach­trag vor­ge­se­he­nen Ände­run­gen der Tei­lungs­er­klä­rung in das Grund­buch ein­zu­tra­gen. Die Klä­ge­rin kann daher ihr Kla­ge­ziel durch den Gebrauch der Voll­macht nicht ein­fa­cher, schnel­ler und bil­li­ger erreichen.

3. Im Ergeb­nis geht das Beru­fungs­ge­richt zu Recht davon aus, dass die Klä­ge­rin gegen die Beklag­ten kei­nen Anspruch auf Geneh­mi­gung des 4. Nach­trags zur Tei­lungs­er­klä­rung aus der in § 12.1.1 des Bau­trä­ger­ver­trags gere­gel­ten Mit­wir­kungs­ver­pflich­tung hat, weil die­se Klau­sel der Inhalts­kon­trol­le nach § 308 Nr. 4 BGB nicht standhält.

a) Bei der von der Klä­ge­rin gegen­über den Beklag­ten ver­wen­de­ten Klau­sel in § 12.1.1 des Bau­trä­ger­ver­trags han­delt es sich nach den Fest­stel­lun­gen des Beru­fungs­ge­richts um eine All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gung gemäß § 305 Abs. 1 BGB, die der Inhalts­kon­trol­le unterliegt.

b) Es trifft zu, dass die ver­ein­bar­te Mit­wir­kungs­ver­pflich­tung an § 308 Nr. 4 BGB zu mes­sen ist.

aa) Eine Kon­trol­le der Klau­sel anhand die­ser Vor­schrift ist nicht bereits nach § 310 Abs. 1 Satz 1 BGB aus­ge­schlos­sen. Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Revi­si­on haben die Beklag­ten den Bau­trä­ger­ver­trag als Ver­brau­cher i.S.v. § 13 BGB und nicht als Unter­neh­mer i.S.v. § 14 Abs. 1 BGB geschlossen.

(1) Nach den Fest­stel­lun­gen des Beru­fungs­ge­richts haben die Beklag­ten die Teil­ei­gen­tums­ein­heit erwor­ben, um sie zu ver­mie­ten. Sie haben die Gewer­be­ein­heit daher im Zwei­fel im Rah­men ihrer Ver­mö­gens­ver­wal­tung gekauft. Die Ver­wal­tung des eige­nen Ver­mö­gens stellt grund­sätz­lich kei­ne gewerb­li­che Tätig­keit dar, son­dern ist dem pri­va­ten Bereich zuzu­ord­nen. Aus­schlag­ge­ben­de Kri­te­ri­en für die Abgren­zung der pri­va­ten von der berufs­mä­ßig betrie­be­nen Ver­mö­gens­ver­wal­tung sind der Umfang, die Kom­ple­xi­tät und die Anzahl der damit ver­bun­de­nen Vor­gän­ge. Nur wenn die­se, was der Beur­tei­lung im Ein­zel­fall unter­liegt, einen plan­mä­ßi­gen Geschäfts­be­trieb erfor­dern – wie etwa die Unter­hal­tung eines Büros oder einer Orga­ni­sa­ti­on -, liegt eine gewerb­li­che Betä­ti­gung vor (vgl. BGH, Urteil vom 7. April 2021 – VIII ZR 49/19, NJW 2021, 2281 Rn. 81; Urteil vom 28. Mai 2020 – III ZR 58/19, BGHZ 226, 39 Rn. 19 f.; Urteil vom 3. März 2020 – XI ZR 461/18, NZM 2020, 808 Rn. 12, jeweils mwN). Auf­grund der nega­ti­ven For­mu­lie­rung des zwei­ten Halb­sat­zes des § 13 BGB ist das rechts­ge­schäft­li­che Han­deln einer natür­li­chen Per­son grund­sätz­lich als Ver­brau­cher­han­deln anzu­se­hen und gehen inso­weit ver­blei­ben­de Zwei­fel nicht zulas­ten des Ver­brau­chers (vgl. BGH, Urteil vom 10. Novem­ber 2021 – VIII ZR 187/20, BGHZ 232, 1 Rn. 47; Urteil vom 30. Sep­tem­ber 2009 – VIII ZR 7/09, NJW 2009, 3780 Rn. 11). In den Tat­sa­chen­in­stan­zen etwa über­gan­ge­nen Sach­vor­trag der nach all­ge­mei­nen Grund­sät­zen für die Tat­be­stands­merk­ma­le des § 310 Abs. 1 Satz 1 BGB dar­le­gungs- und beweis­be­las­te­ten Klä­ge­rin (vgl. BeckOGK/Brübach, BGB [1.12.2025], § 310 Rn. 74; Erman/Looschelders, BGB, 17. Aufl., § 310 Rn. 33), der die Annah­me einer gewerb­li­chen Tätig­keit der Beklag­ten recht­fer­ti­gen könn­te, zeigt die Revi­si­on nicht auf.

(2) Dass die Beklag­ten im For­mu­lar­ver­trag als Unter­neh­mer im Sin­ne des Umsatz­steu­er­ge­set­zes bezeich­net wer­den, ist dem­ge­gen­über unbe­acht­lich. Wer umsatz­steu­er­recht­lich „Unter­neh­mer“ ist, bestimmt § 2 UStG. Der Unter­neh­mer­be­griff des Umsatz­steu­er­rechts ist auto­nom ohne Rück­griff auf Defi­ni­tio­nen in ande­ren Rechts­vor­schrif­ten – etwa in § 14 BGB – aus­zu­le­gen (vgl. BGH, Urteil vom 3. März 2020 – XI ZR 461/18, NZM 2020, 808 Rn. 16). Der Begriff umfasst auch die pri­va­te Ver­mö­gens­ver­wal­tung durch Ver­mie­tung und Ver­pach­tung von Grund­stü­cken (vgl. BFHE 223, 487, 489 [juris Rn. 12]). Für die hier maß­geb­li­che zivil­recht­li­che Abgren­zung von Ver­brau­cher und Unter­neh­mer ist dem­ge­gen­über aner­kannt, dass die Ver­mie­tung und Ver­pach­tung von Grund­stü­cken, soweit sie allein der pri­va­ten Ver­mö­gens­ver­wal­tung dient, die Qua­li­fi­ka­ti­on des Ver­mie­ters oder Ver­päch­ters als Ver­brau­cher nicht hin­dert (vgl. BGH, Urteil vom 23. Okto­ber 2001 – XI ZR 63/01, BGHZ 149, 80, 86 f. [juris Rn. 23 f.]). Soweit sich die Revi­si­on für ihre ent­ge­gen­ste­hen­de Ansicht auf die Senats­recht­spre­chung beruft (Senat, Urteil vom 26. Febru­ar 2016 – V ZR 208/14, NJW 2016, 2173 Rn. 29), bleibt auch dies ohne Erfolg. Der Senat hat auf Anfra­ge des XI. Zivil­se­nats erklärt, hier­an nicht fest­zu­hal­ten (vgl. BGH, Urteil vom 3. März 2020 – XI ZR 461/18, NZM 2020, 808 Rn. 18).

bb) Der Anwen­dungs­be­reich von § 308 Nr. 4 BGB erstreckt sich auf die for­mu­lar­mä­ßig ver­ein­bar­te Mit­wir­kungs­ver­pflich­tung des Käu­fers. Nach die­ser Norm ist in All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen unwirk­sam die Ver­ein­ba­rung eines Rechts des Ver­wen­ders, die ver­spro­che­ne Leis­tung zu ändern oder von ihr abzu­wei­chen, wenn nicht die Ver­ein­ba­rung der Ände­rung oder Abwei­chung unter Berück­sich­ti­gung der Inter­es­sen des Ver­wen­ders für den ande­ren Ver­trags­teil zumut­bar ist. Soweit die von der Klä­ge­rin ver­wen­de­te Klau­sel eine Mit­wir­kungs­ver­pflich­tung des Käu­fers ent­hält, han­delt es sich zwar nicht um eine unmit­tel­ba­re ein­sei­ti­ge Ände­rungs­be­fug­nis des Ver­wen­ders. Das Klau­sel­ver­bot erfasst nach sei­nem Norm­zweck aber auch sol­che Klau­seln, die dem Ver­wen­der einen Anspruch auf Zustim­mung des Ver­trags­part­ners zur Ände­rung ein­räu­men, weil der schuld­recht­li­che Abän­de­rungs­an­spruch ihm eben­falls eine ein­sei­ti­ge Ände­rung der Leis­tungs­pflicht ermög­licht (vgl. BeckOGK/Weiler, BGB [1.12.2025], § 308 Nr. 4 Rn. 68; Beck­OK BGB/Becker [1.8.2025], § 308 Nr. 4 Rn. 8; MüKoBGB/Wurmnest, 10. Aufl., § 308 Abs. 4 Rn. 7; Pfeif­fer AGB‑R/Dammann, BGB, 8. Aufl., § 308 Nr. 4 Rn. 14; Thü­sing in Graf von Westphalen/Thüsing/Pamp, Ver­trags­recht und AGB-Klau­sel­wer­ke [52. EL Okto­ber 2025], Ände­rungs­vor­be­halt Rn. 8).

c) Aus § 308 Nr. 4 BGB ergibt sich die Unwirk­sam­keit der in § 12.1.1 des Bau­trä­ger­ver­trags gere­gel­ten Mit­wir­kungs­ver­pflich­tung der Käu­fer. Eine Klau­sel in den All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen eines Bau­trä­ger­ver­trags, die einen Ver­brau­cher als Erwer­ber ver­pflich­tet, nach­träg­li­chen Ände­run­gen der Tei­lungs­er­klä­rung durch den Ver­wen­der zuzu­stim­men, ist unwirk­sam, wenn sie nicht erken­nen lässt, dass eine Zustim­mung nur bei Vor­lie­gen im Ein­zel­nen benann­ter trif­ti­ger Grün­de ver­langt wer­den kann.

aa) Vor dem Hin­ter­grund, dass es bei Bau­vor­ha­ben häu­fig not­wen­dig oder zweck­mä­ßig ist, die ursprüng­li­che Pla­nung zu modi­fi­zie­ren, besteht ein prak­ti­sches Bedürf­nis, es dem tei­len­den Eigen­tü­mer zu ermög­li­chen, die Tei­lungs­er­klä­rung zu ändern. Nach der Recht­spre­chung des Senats ist es daher im Grund­satz nicht zu bean­stan­den, wenn die Erwer­ber ihm in den Erwerbs­ver­trä­gen eine Voll­macht zur Ände­rung der Tei­lungs­er­klä­rung ertei­len. Im Außen­ver­hält­nis darf sie, damit sie im Grund­buch­ver­kehr ver­wend­bar ist, unbe­schränkt erteilt wer­den (vgl. Senat, Beschluss vom 19. Sep­tem­ber 2019 – V ZB 119/18, NJW 2020, 610 Rn. 28). Was die Beschrän­kun­gen im Innen­ver­hält­nis angeht, unter­liegt die Voll­macht aber einer Klau­sel­kon­trol­le nach § 308 Nr. 4 BGB, wenn es sich um All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gun­gen han­delt (vgl. Senat, Beschluss vom 19. Sep­tem­ber 2019 – V ZB 119/18, aaO Rn. 27). Eine wei­te­re Mög­lich­keit zur Siche­rung des Ände­rungs­in­ter­es­ses des tei­len­den Eigen­tü­mers besteht dar­in, dass die Erwer­ber sich in den Erwerbs­ver­trä­gen ver­pflich­ten, einer von dem Bau­trä­ger gewünsch­ten Ände­rung der Tei­lungs­er­klä­rung zuzu­stim­men. Eine sol­che – wie hier – for­mu­lar­mä­ßig ein­ge­gan­ge­ne Ver­pflich­tung ist eben­falls an § 308 Nr. 4 BGB zu mes­sen (vgl. oben Rn. 15). Dabei gel­ten die zur Klau­sel­kon­trol­le der Voll­macht ent­wi­ckel­ten Grund­sät­ze auch für die Inhalts­kon­trol­le einer in All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen ver­ein­bar­ten Ver­pflich­tung des Erwer­bers zur Zustim­mung zu einer Ände­rung der Tei­lungs­er­klä­rung. Bei­de recht­li­chen Gestal­tungs­ar­ten sol­len dem Bau­trä­ger im Nach­hin­ein eine eigen­mäch­ti­ge Ände­rung der Tei­lungs­er­klä­rung ermöglichen.

bb) § 308 Nr. 4 BGB stellt für die mög­li­che Recht­fer­ti­gung eines Leis­tungs­än­de­rungs­rechts dar­auf ab, ob die­ses unter Berück­sich­ti­gung der Inter­es­sen des Ver­wen­ders für den ande­ren Ver­trags­teil zumut­bar ist. Damit ver­langt die Norm eine Abwä­gung zwi­schen den Inter­es­sen des Klau­sel­ver­wen­ders an einer Ände­rung sei­ner Leis­tung und denen des ande­ren Ver­trags­teils an der Unver­än­der­lich­keit der ver­ein­bar­ten Leis­tung des Verwenders.

(1) Geklärt ist in der höchst­rich­ter­li­chen Recht­spre­chung, dass die Zumut­bar­keit einer Leis­tungs­än­de­rungs­klau­sel dann zu beja­hen ist, wenn die Inter­es­sen des Ver­wen­ders die für das jewei­li­ge Geschäft typi­schen Inter­es­sen des ande­ren Ver­trags­teils über­wie­gen oder ihnen zumin­dest gleich­wer­tig sind (vgl. BGH, Urteil vom 15. Novem­ber 2007 – III ZR 247/06, NJW 2008, 360 Rn. 21; Urteil vom 21. Sep­tem­ber 2005 – VIII ZR 284/04, NJW 2005, 3567, 3569 [juris Rn. 17]; Urteil vom 17. Febru­ar 2004 – XI ZR 140/03, BGHZ 158, 149, 154 f. [juris Rn. 19]). Daher setzt die Ver­ein­bar­keit mit § 308 Nr. 4 BGB eine sol­che Fas­sung der Abän­de­rungs­klau­sel vor­aus, nach der für den ande­ren Ver­trags­teil zumin­dest ein gewis­ses Maß an Kal­ku­lier­bar­keit der mög­li­chen Leis­tungs­än­de­rung besteht. Im All­ge­mei­nen ist dies zu beja­hen, wenn für die Ände­rung ein trif­ti­ger Grund vor­liegt. Die Klau­sel muss die trif­ti­gen Grün­de benen­nen und in ihren Vor­aus­set­zun­gen erkenn­bar die Inter­es­sen des Ver­trags­part­ners ange­mes­sen berück­sich­ti­gen (vgl. BGH, Urteil vom 21. Okto­ber 2025 – X ZR 39/25, Reis­eRFG 2025, 293 Rn. 76 zu geneh­mi­gungs­pflich­ti­gen Ent­gelt­be­din­gun­gen im Sin­ne von § 12 Abs. 1 Satz 2, Abs. 3 AEG; Urteil vom 15. Novem­ber 2007 – III ZR 247/06, NJW 2008, 360 Rn. 21 zur Inhalts­kon­trol­le von All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen im Pay-TV-Abon­ne­ment; Urteil vom 21. Sep­tem­ber 2005 – VIII ZR 284/04, NJW 2005, 3567, 3569 [juris Rn. 17] zu All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen eines Ver­sand­han­dels­un­ter­neh­mens; Urteil vom 12. Janu­ar 1994 – VIII ZR 165/92, BGHZ 124, 351, 362 [juris Rn. 55] zur Zuläs­sig­keit von For­mu­lar­be­stim­mun­gen in einem Ver­trags­händ­ler­ver­trag der Kraft­fahr­zeug-Bran­che; Urteil vom 20. Janu­ar 1983 – VII ZR 105/81, BGHZ 86, 284, 295 [juris Rn. 31] zur Unwirk­sam­keit all­ge­mei­ner Flug­be­för­de­rungs­be­din­gun­gen eines Luft­fahrt­un­ter­neh­mens). Das gilt ins­be­son­de­re auch für Abwei­chungs­vor­be­hal­te in Bau­trä­ger­ver­trä­gen bezüg­lich Bau­aus­füh­rung und Mate­ri­al­wahl (vgl. BGH, Urteil vom 23. Juni 2005 – VII ZR 200/04, NJW 2005, 3420, 3421 [juris Rn. 18

(2) In der Lite­ra­tur wird über­wie­gend die­se Recht­spre­chung auf den Fall über­tra­gen, dass ein Ver­brau­cher als Erwer­ber von Woh­nungs- oder Teil­ei­gen­tum dem tei­len­den Bau­trä­ger in dem Erwerbs­ver­trag for­mu­lar­mä­ßig eine Voll­macht zur nach­träg­li­chen Ände­rung der Tei­lungs­er­klä­rung erteilt (vgl. Basty, Der Bau­trä­ger­ver­trag, 11. Aufl., 2023, Kap. 2 Rn. 16 ff.; Mül­ler in Hügel, Woh­nungs­ei­gen­tum, 5. Aufl., § 2 Rn. 195; Pause/Vogel, Bau­trä­ger­kauf und Bau­mo­del­le, 7. Aufl., Kap. 3 Rn. 81, 107; Arm­brüs­ter, ZMR 2005, 244, 250; Grzi­wotz, ZfIR 2025, 354, 355; Hügel, NotBZ 2020, 182, 186; Vogel, ZMR 2008, 270, 271 f.). Der Senat hat die­se Fra­ge bis­lang noch nicht ent­schie­den. Er hat es aller­dings als nicht unbe­denk­lich erach­tet, wenn eine Ände­rungs­voll­macht im Innen­ver­hält­nis der Ver­trags­par­tei­en kei­ne trif­ti­gen Grün­de nennt (vgl. Senat, Beschluss vom 19. Sep­tem­ber 2019 – V ZB 119/18, NJW 2020, 610 Rn. 34).

(3) Wie das Beru­fungs­ge­richt hal­ten es ande­re Tei­le der Lite­ra­tur dage­gen nicht für not­wen­dig, trif­ti­ge Grün­de in der Klau­sel zu benen­nen (vgl. For­sch­ner in Grziwotz/Koeble, Hand­buch Bau­trä­ger­recht, 2. Aufl., Kap. 2 Rn. 176; ders., ZWE 2020, 136, 137; Cra­mer, NJW 2020, 616). Es genü­ge, wenn der trif­ti­ge Grund tat­säch­lich vor­lie­ge und die Voll­macht ledig­lich nega­tiv defi­nie­re, zu wel­chen Ände­run­gen der Bau­trä­ger nicht berech­tigt sei. Den Erwer­ber inter­es­sie­re in der Regel nicht der Grund für eine Ände­rung, son­dern viel­mehr, wel­che Ände­rung der Bau­trä­ger vor­neh­men dür­fe und vor allem wel­che nicht.

(4) Rich­ti­ger­wei­se muss eine Klau­sel, in wel­cher ein Erwer­ber von Woh­nungs- oder Teil­ei­gen­tum dem tei­len­den Bau­trä­ger in dem Erwerbs­ver­trag eine Voll­macht zur nach­träg­li­chen Ände­rung der Tei­lungs­er­klä­rung erteilt, erken­nen las­sen, dass eine Ände­rung von dem Vor­lie­gen trif­ti­ger Grün­de abhängt und die trif­ti­gen Grün­de benen­nen und in ihren Vor­aus­set­zun­gen erkenn­bar die Inter­es­sen des Ver­trags­part­ners ange­mes­sen berücksichtigen.

(a) Indem § 308 Nr. 4 BGB vor­sieht, dass der Ände­rungs­vor­be­halt unter Berück­sich­ti­gung der Inter­es­sen des Ver­wen­ders für den ande­ren Ver­trags­teil zumut­bar sein muss, wird das Maß des Zumut­ba­ren in ein Abhän­gig­keits­ver­hält­nis zu den Grün­den gestellt, aus denen der Ver­wen­der eine nach­träg­li­che Ände­rung erstrebt. Auch der – aller­dings nur als Hin­weis die­nen­de (vgl. Art. 3 Abs. 3 RL 93/13/EWG) – Anhang der Richt­li­nie 93/13/EWG des Rates vom 5. April 1993 über miss­bräuch­li­che Klau­seln in Ver­brau­cher­ver­trä­gen nennt in Nr. 1 lit. k bei­spiel­haft eine Klau­sel als miss­bräuch­lich, die es ermög­licht, dass Gewer­be­trei­ben­de die Merk­ma­le eines zu lie­fern­den Erzeug­nis­ses oder einer zu erbrin­gen­den Dienst­leis­tung ein­sei­tig ohne trif­ti­gen Grund ändern. Daher hält es der Bun­des­ge­richts­hof für unver­zicht­bar, dass ein for­mu­lar­mä­ßi­ger Abwei­chungs­vor­be­halt im Bau­trä­ger­ver­trag bezüg­lich Bau­aus­füh­rung und Mate­ri­al­wahl den Ver­wen­der nur bei Vor­lie­gen im Ein­zel­nen benann­ter trif­ti­ger Grün­de zu Ände­run­gen berech­tigt (vgl. BGH, Urteil vom 23. Juni 2005 – VII ZR 200/04, NJW 2005, 3420, 3421 [juris Rn. 18]). Beson­der­hei­ten, die es dem­ge­gen­über recht­fer­ti­gen könn­ten, auf die Ände­rung von Tei­lungs­er­klä­run­gen bezo­ge­ne Klau­seln in Bau­trä­ger­ver­trä­gen von die­ser Anfor­de­rung aus­zu­neh­men, bestehen nicht, da in bei­den Fäl­len das von § 308 Nr. 4 BGB geschütz­te Äqui­va­lenz­in­ter­es­se zwi­schen den bei­der­sei­ti­gen Leis­tun­gen betrof­fen ist. Im Hin­blick dar­auf muss der Erwer­ber nicht hin­neh­men, dass der Ver­wen­der Ände­run­gen der Tei­lungs­er­klä­rung nur des­halb vor­nimmt, um sich selbst auf Kos­ten sei­nes Ver­trags­part­ners bes­ser zu stel­len (vgl. BGH, Urteil vom 11. Okto­ber 2007 – III ZR 63/07, NJW-RR 2008, 134 Rn. 11; Urteil vom 30. Juni 2009 – XI ZR 364/08, NJW-RR 2009, 1641 Rn. 26; Urteil vom 11. März 1987 – VIII ZR 203/86, NJW 1987, 1886 [juris Rn. 15] – noch zu § 10 Nr. 1 AGBG).

(b) Als trif­ti­ge Grün­de, die Anlass für eine nach­träg­li­che Ände­rung der Tei­lungs­er­klä­rung sein kön­nen, kom­men bei­spiels­wei­se in Betracht die Erfor­der­lich­keit oder Zweck­dien­lich­keit für die Erfül­lung behörd­li­cher Auf­la­gen, die Erschlie­ßungs­si­che­rung, die Besei­ti­gung von Pla­nungs­män­geln und die Erfül­lung von Son­der­wün­schen ande­rer Erwer­ber (vgl. Basty, Der Bau­trä­ger­ver­trag, 11. Aufl., 2023, Kap. 2 Rn. 18; Grzi­wotz, ZfIR 2025, 354, 355). Benennt die Klau­sel die trif­ti­gen Grün­de hin­rei­chend klar, hält sie der Klau­sel­kon­trol­le stand. Andern­falls ist sie ins­ge­samt, also auch im Außen­ver­hält­nis (dazu oben Rn. 17) unwirk­sam. Unab­hän­gig davon müs­sen die trif­ti­gen Grün­de auch tat­säch­lich vor­lie­gen, und die ein­sei­ti­ge Leis­tungs­än­de­rung muss sich bei Abwä­gung der bei­der­sei­ti­gen Inter­es­sen für den Erwer­ber als zumut­bar erweisen.

cc) Die­sen Anfor­de­run­gen, die für eine – wie hier – for­mu­lar­mä­ßig ver­ein­bar­te Ver­pflich­tung des Erwer­bers zur Zustim­mung zu einer von dem Bau­trä­ger gewünsch­ten Ände­rung der Tei­lungs­er­klä­rung eben­falls gel­ten (vgl. hier­zu oben Rn. 15), wird die in Rede ste­hen­de Klau­sel in § 12.1.1 des Bau­trä­ger­ver­trags nicht gerecht. Sie sieht davon ab, den Anspruch des Ver­wen­ders gegen den Käu­fer auf Zustim­mung zu einer nach­träg­li­chen Ände­rung der Tei­lungs­er­klä­rung von einem Vor­lie­gen im Ein­zel­nen benann­ter trif­ti­ger Grün­de abhän­gig zu machen und ermög­licht ihm eine Ver­trags­än­de­rung ohne trif­ti­gen Grund.

dd) Ob die Klau­sel im Übri­gen die Inter­es­sen des Ver­trags­part­ners ange­mes­sen berück­sich­tigt, kann daher dahinstehen.

4. Im Ergeb­nis zu Recht ver­neint das Beru­fungs­ge­richt fer­ner einen Anspruch der Klä­ge­rin gegen die Beklag­ten auf Geneh­mi­gung des 4. Nach­trags gemäß § 242 BGB. Anders als das Beru­fungs­ge­richt meint, schei­det ein Rück­griff auf § 242 BGB aller­dings schon des­halb aus, weil er hier auf eine unzu­läs­si­ge gel­tungs­er­hal­ten­de Reduk­ti­on der gegen § 308 Nr. 4 BGB ver­sto­ßen­den Mit­wir­kungs­ver­pflich­tung hin­aus­lie­fe. Nach dem Ver­bot der gel­tungs­er­hal­ten­den Reduk­ti­on darf eine gegen §§ 307 ff. BGB ver­sto­ßen­de Ver­trags­be­stim­mung grund­sätz­lich nicht durch wir­kungs­glei­che Rege­lun­gen ersetzt wer­den. Andern­falls wür­de es dem Ver­wen­der ermög­licht, risi­ko­los die All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen ein­sei­tig in sei­nem Inter­es­se aus­zu­ge­stal­ten, und somit ent­ge­gen dem Geset­zes­zweck nicht ver­hin­dert, dass der Ver­trags­part­ner des Ver­wen­ders in der Ver­trags­ab­wick­lungs­pra­xis mit über­zo­ge­nen Klau­seln kon­fron­tiert wird (st. Rspr., vgl. BGH, Urteil vom 6. April 2016 – XII ZR 29/15, NZM 2016, 585 Rn. 19; Urteil vom 11. Okto­ber 2011 – VI ZR 46/10, NJW 2012, 222 Rn. 20; Urteil vom 24. Sep­tem­ber 1985 – VI ZR 4/84, BGHZ 96, 18, 25 f. [juris Rn. 26]; Urteil vom 17. Mai 1982 – VII ZR 316/81, BGHZ 84, 109, 116 [juris Rn. 22]; so auch die Kri­tik an der Ent­schei­dung des Beru­fungs­ge­richts von Kranz­kow­ski, Miet­RB 2025, 225, 228). Ist eine in All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen ent­hal­te­ne Ver­pflich­tung des Ver­trags­part­ners, einer von dem Ver­wen­der gewünsch­ten nach­träg­li­chen Ver­trags­än­de­rung zuzu­stim­men, gemäß § 308 Nr. 4 BGB unwirk­sam, kann sich daher eine Zustim­mungs­pflicht des Ver­trags­part­ners im Regel­fall – und so auch hier – nicht aus § 242 BGB ergeben.

5. Die von der Klä­ge­rin schließ­lich erho­be­ne Ver­fah­rens­rüge der Ver­let­zung ihres Anspruchs auf recht­li­ches Gehör (Art. 103 Abs. 1 GG) hat der Senat geprüft und nicht für durch­grei­fend erach­tet (§ 564 Satz 1 ZPO).

III.

Die Kos­ten­ent­schei­dung beruht auf § 97 Abs. 1 ZPO.
Brück­ner Göbel Hamdorf
Malik Grau

Vorinstanzen:
LG Ber­lin, Ent­schei­dung vom 28.11.2023 – 14 O 115/22 -
KG Ber­lin, Ent­schei­dung vom 23.04.2025 – 21 U 156/23 -

Ver­kün­det am:
23. Janu­ar 2026
Rin­ke, Justizangestellte
als Urkunds­be­am­tin der Geschäftsstelle

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